Eine Horizontalsperre unterbricht den kapillaren Wasseraufstieg im Mauerwerk und ist die zentrale Maßnahme gegen aufsteigende Feuchte. Dieser Beitrag erklärt, welche mechanischen und chemischen Verfahren es gibt, wie eine Injektionssperre eingebracht wird, wann eine Sperre überhaupt nötig ist und wie sie sich von Sanierputz und Vertikalabdichtung unterscheidet.
Was ist eine Horizontalsperre?
Eine Horizontalsperre ist eine durchgehende Schicht im Mauerwerksquerschnitt, die verhindert, dass aufsteigende Feuchtigkeit weiter nach oben wandert. Neubauten erhalten sie standardmäßig als Bitumen- oder Kunststoffbahn direkt beim Mauern. Bei Altbauten ohne oder mit defekter Sperre wird sie nachträglich eingebracht.
Verfahren
Mechanische Verfahren
- Maurersägeverfahren: die Wand wird abschnittsweise horizontal durchtrennt und eine Kunststoff- oder Edelstahlbahn eingeschoben – sehr zuverlässig, aber aufwendig und nur bei ausreichend homogenem Mauerwerk möglich
- Einrammverfahren: gewellte Edelstahlbleche werden abschnittsweise in eine Lagerfuge gerammt und überlappend verlegt – geeignet für regelmäßiges Mauerwerk mit durchgehenden Fugen
Chemische Verfahren (Injektion)
In einem festgelegten Bohrlochraster werden schräg nach unten geneigte Löcher in eine Lagerfuge gebohrt. Ein Silan-Siloxan-Wirkstoff wird als Creme, Gel oder Flüssigkeit eingebracht und hydrophobiert die Kapillarwände im Mauerwerk, sodass kein Wasser mehr aufsteigen kann. Cremes und Gele sind heute Standard, weil sie nicht in unkontrollierte Hohlräume ablaufen und zuverlässiger wirken als dünnflüssige Tränkungen.
Elektrophysikalische Verfahren
Geräte, die über elektrische Felder oder Impulse wirken sollen, sind auf dem Markt erhältlich, ihre Wirksamkeit gilt in der Bauphysik aber nicht als wissenschaftlich anerkannt. Anerkannte Sanierungskonzepte stützen sich auf mechanische oder chemische Sperren.
Bohrlochraster in der Praxis
Bei der Injektion werden die Löcher üblicherweise in Abständen von 10 bis 12,5 Zentimetern in eine durchgehende Lagerfuge gebohrt, oft leicht nach unten geneigt. Bei sehr dicken Wänden wird von beiden Seiten oder in zwei Reihen versetzt gebohrt, damit der Wirkstoff den gesamten Querschnitt erreicht.
Vorbehandlung stark durchfeuchteter Wände
Ist das Mauerwerk fast wassersättigt, können dünnflüssige Injektionsmittel nicht mehr eindringen, weil die Poren bereits mit Wasser gefüllt sind. Dann wird die Wand zunächst mit Warmluft oder Heizstäben in den Bohrlöchern vorgetrocknet oder es kommen spezielle Cremes zum Einsatz, die auch in feuchtem Mauerwerk wirken.
Wann eine Sperre nötig ist
Viele Altbauten vor etwa 1960 wurden ohne Horizontalsperre errichtet. Auch jüngere Gebäude können betroffen sein, wenn die vorhandene Bitumenbahn durch Setzrisse, Alterung oder handwerkliche Fehler (etwa durch Mörtelbrücken, die die Sperre überbrücken) ihre Wirkung verloren hat. Vor jeder Maßnahme steht die Feuchte- und Salzdiagnose – siehe Aufsteigende Feuchtigkeit.
Abgrenzung
Horizontalsperre vs. Sanierputz
Die Sperre stoppt den weiteren Feuchtenachschub, löst aber nicht das bereits im Mauerwerk vorhandene Salzproblem. Der anschließende Sanierputz nimmt die Restsalze auf, während die Wand austrocknet.
Horizontalsperre vs. Vertikalabdichtung
Die Horizontalsperre wirkt gegen kapillar aufsteigende Feuchte. Gegen seitlich drückendes oder nicht drückendes Wasser braucht es zusätzlich eine Vertikalabdichtung von außen.
Mechanisch vs. chemisch
Mechanische Verfahren unterbrechen das Mauerwerk vollständig und gelten als besonders zuverlässig, sind aber statisch anspruchsvoller und teurer. Chemische Injektion ist weniger invasiv und günstiger, verlangt dafür homogenes, nicht zu stark rissiges Mauerwerk für eine gleichmäßige Verteilung.
Kombination mehrerer Verfahren
Bei unregelmäßigem Bruchsteinmauerwerk oder sehr dicken Wänden werden mechanische und chemische Verfahren teils kombiniert – etwa ein Blecheinschub im regelmäßigen Bereich und eine Injektion in den anschließenden, unregelmäßigen Abschnitten.
Sicherheit, Lagerung und Entsorgung
Arbeitsschutz
Beim Bohren entsteht quarzhaltiger Staub – mit Absaugung und FFP2- bzw. FFP3-Maske arbeiten, Schutzbrille tragen. Injektionscremes und -gele reizen Haut und Augen; Handschuhe verwenden und Spritzer sofort abwischen. Beim Säge- oder Rammverfahren auf Statik und tragfähige Abstützung wandabschnittsweise achten.
Lagerung
Injektionsmittel kühl, trocken und vor Frost geschützt lagern, angebrochene Kartuschen dicht verschließen und Herstellerfristen einhalten.
Entsorgung
Bohrmehl aus salzbelastetem Mauerwerk getrennt sammeln, nicht in den Garten oder auf den Kompost geben. Reste von Injektionsmitteln als Bauchemie-Abfall entsorgen, leere Kartuschen als Wertstoff.







