Der Echte Hausschwamm ist der gefürchtetste holzzerstörende Pilz in mitteleuropäischen Gebäuden, weil er auch über nicht organisches Material wie Mauerwerk hinwegwachsen kann. Dieser Beitrag erklärt, woran man einen Befall erkennt, warum er so gefährlich ist, wie eine fachgerechte Sanierung nach DIN 68800 abläuft und wie er sich von harmloseren Fäulepilzen und von Schimmel unterscheidet.
Was ist der Echte Hausschwamm?
Der Echte Hausschwamm (Serpula lacrymans) ist ein Braunfäulepilz, der Zellulose im Holz abbaut und dabei würfelförmige Risse (Würfelbruch) hinterlässt, bis das Holz bröckelig zerfällt. Anders als die meisten Holzschädlinge kann er über Mauerwerk, Mörtelfugen und sogar durch Wände hindurchwachsen, um neue Feuchtequellen und Holzvorräte zu erschließen – deshalb bleibt ein Befall oft lange unentdeckt und breitet sich unterdessen im Verborgenen aus.
Erkennungsmerkmale
- Würfelbruch: das befallene Holz zerfällt in kleine, würfelförmige Stücke und verliert seine Festigkeit
- Silbrig-graues bis weißes Myzel, das watteartig über Oberflächen wachsen kann
- Rostbrauner, teller- oder konsolenförmiger Fruchtkörper mit feinem Sporenstaub in der Umgebung
- Modrig-muffiger Pilzgeruch, besonders in schlecht belüfteten Kellern und Hohlräumen
Ursache
Der Hausschwamm braucht dauerhaft feuchtes Holz (Holzfeuchte deutlich über 20 Prozent) und wenig Luftbewegung. Typische Ausgangspunkte sind verdeckte Wasserschäden, undichte Dachbereiche, schlecht belüftete Hohlräume und Altbaukeller mit aufsteigender Feuchtigkeit. Er kann sich über Jahre unbemerkt entwickeln, bevor der Befall sichtbar wird.
Sporenverbreitung über weite Strecken
Der Hausschwamm bildet enorme Mengen an Sporen, die über Luftstroemungen auch in entfernte Gebäudeteile getragen werden koennen. Trifft eine Spore auf feuchtes Holz, kann daraus ein neuer Befallsherd entstehen – deshalb reicht es nicht, nur den sichtbaren Fruchtkörper zu entfernen, ohne das gesamte Ausmass des Myzels zu erfassen.
Untersuchungsmethoden
Neben der Sichtprüfung kommen Feuchtemessungen, Bohrkernentnahmen und in Zweifelsfällen eine mykologische Laboranalyse zum Einsatz, um Pilzart und Befallsausmass sicher zu bestimmen. Bei Verdacht auf verdeckten Befall hinter Verkleidungen werden oft gezielt Oeffnungen (Suchschnitte) angelegt.
Sanierung
Eine Sanierung nach DIN 68800 verlangt weit mehr als das Entfernen des sichtbar befallenen Holzes: Auch optisch gesundes Holz und Mauerwerk im Sicherheitsabstand um den Befall herum müssen entfernt oder behandelt werden, weil das Myzel unsichtbar weiterwachsen kann. Bei Mauerwerk kommen Heißluft- oder Flammenbehandlung sowie chemische Bekämpfungsmittel zum Einsatz. Ohne gleichzeitige Beseitigung der Feuchteursache kehrt der Befall zuverlässig zurück.
Abgrenzung
Hausschwamm vs. andere Holzfäulepilze
Kellerschwamm und andere Braunfäulepilze bauen Holz ähnlich ab, wachsen aber nicht über Mauerwerk hinweg und breiten sich langsamer aus. Nur eine mykologische Bestimmung des Pilzes zeigt sicher, um welche Art es sich handelt – die Sanierungsanforderungen unterscheiden sich erheblich.
Hausschwamm vs. Schimmel
Schimmel wächst oberflächlich und befällt vor allem Putz, Tapete und Oberflächen, greift aber nicht die Holzsubstanz strukturell an. Der Hausschwamm zerstört die Tragfähigkeit von Holzbauteilen und ist damit statisch relevant.
Vorbeugender Holzschutz vs. Sanierung
Vorbeugender Holzschutz und Holzschutzsalze verhindern den Befall, bevor er entsteht. Ist der Pilz bereits aktiv, reicht vorbeugender Schutz nicht mehr aus – dann ist eine vollständige Sanierung nötig.
Hausschwamm vs. Holzwurm und andere Insekten
Holzschädlinge wie der Hausbock oder gewöhnliche Holzwuermer befallen Holz durch Frass, nicht durch Pilzwachstum, und hinterlassen typische Bohrloecher statt Wuerfelbruch. Beide Schadensbilder koennen gemeinsam auftreten, verlangen aber unterschiedliche Bekämpfungsstrategien.
Sicherheit, Lagerung und Entsorgung
Arbeitsschutz
Sporen des Hausschwamms können Atemwege reizen; bei Sanierungsarbeiten Atemschutz (mindestens FFP2, bei großem Befall FFP3), Schutzbrille und Einweg-Schutzanzug tragen. Der befallene Bereich sollte vor Beginn der Arbeiten abgeschottet werden, um Sporenverschleppung in unbelastete Gebäudeteile zu vermeiden. Sanierungsarbeiten gehören grundsätzlich in die Hand eines Fachbetriebs.
Lagerung
Bekämpfungsmittel und Holzschutzsalze nach Herstellerangabe kühl, trocken und kindersicher lagern.
Entsorgung
Befallenes Holz und kontaminiertes Material müssen staubdicht verpackt und getrennt entsorgt werden, um eine Verschleppung von Sporen zu verhindern – keinesfalls im normalen Bau- oder Restabfall ohne Verpackung.







