Glättkelle und Reibebrett sind die beiden Grundwerkzeuge jeder Putz- und Spachtelarbeit – aber für entgegengesetzte Zwecke. Die Glättkelle verdichtet und poliert eine Fläche zu möglichst glatter Oberfläche, das Reibebrett strukturiert einen Körnungsputz und legt dessen Korn sichtbar frei. Dieser Beitrag erklärt Materialien und Größen beider Werkzeuge, die verschiedenen Reibebrettbeläge und wo welches Werkzeug zum Einsatz kommt.
Was sind Glättkelle und Reibebrett?
Die Glättkelle ist ein rechteckiges, meist aus Edelstahl gefertigtes Werkzeug mit glatter, ebener Arbeitsfläche und einem seitlichen Griff. Sie wird verwendet, um Putz- oder Spachtelmasse aufzutragen, zu verteilen und in einem letzten Arbeitsgang zu glätten oder zu verdichten. Das Reibebrett dagegen trägt an seiner Arbeitsfläche einen austauschbaren Belag – Schwamm, Filz oder Kunststoff – und wird in kreisenden oder linearen Bewegungen über einen bereits aufgetragenen, körnigen Putz geführt, um dessen Struktur freizulegen.
Materialien der Glättkelle
Edelstahlkellen sind steif, langlebig und liefern die glatteste, am wenigsten flexible Arbeitsfläche – sie werden für feine Spachtel- und Betonoptik-Arbeiten bevorzugt. Kunststoffkellen sind leichter und günstiger, eignen sich für die grobe Vorglattung größerer Putzflächen, verbiegen sich aber leichter und liefern kein ganz so präzises Ergebnis wie Stahl.
Größen und Formen
Glättkellen reichen von kleinen, handlichen Formaten um 15 mal 8 Zentimeter für Detailarbeiten bis zu großen Flächenkellen über 60 Zentimeter Breite für zeiteffizientes Arbeiten auf großen Fassaden. Ecken- und Winkelkellen mit abgewinkelter Form ermöglichen sauberes Arbeiten in Raumecken und an Fensterlaibungen.
Reibebrett-Beläge
Ein Schwammbrett erzeugt eine besonders offenporige, raue Struktur und wird für grobkörnige Reibeputze bevorzugt. Ein Filzbrett liefert eine feinere, geschlossenere Oberfläche und ist die übliche Wahl für Weißputz oder feinkörnige Edelputze. Kunststoffbretter eignen sich vor allem für die grobe Vorbearbeitung und werden seltener als Endwerkzeug verwendet.
Einsatz in der Praxis
Materialauftrag mit der Glättkelle
Beim Auftragen wird Putz oder Spachtelmasse mit der Kelle vom Brett aufgenommen und in einem flachen Winkel auf die Wand aufgezogen. Der Anstellwinkel bestimmt die aufgetragene Menge: flacher Winkel und wenig Druck für dünne Schichten, steilerer Winkel für dickeren Auftrag.
Abreiben mit dem Reibebrett
Nach dem Anziehen des frisch aufgetragenen Körnungsputzes wird das Reibebrett in kreisenden Bewegungen über die Fläche geführt. Dabei werden die größeren Körner an die Oberfläche gedreht und das feinere Bindemittel dazwischen leicht abgetragen – so entsteht die typische, gleichmäßig sichtbare Kornstruktur eines Reibeputzes.
Der richtige Zeitpunkt
Wird zu früh gerieben, verschmiert der noch zu weiche Putz und die Körnung geht unter. Wird zu spät gerieben, ist der Putz schon zu fest und lässt sich nicht mehr gleichmäßig bearbeiten. Der richtige Moment liegt, wenn der Putz beim Antippen nicht mehr klebt, aber noch leicht formbar ist.
Pflege der Werkzeuge
Glättkellen werden nach jedem Gebrauch sofort mit Wasser gereinigt, bevor Reste antrocknen – angetrocknete Körner auf der Klinge zerkratzen bei späterer Nutzung feine Spachtelarbeiten. Reibebrett-Beläge nutzen sich mit der Zeit ab und werden bei Bedarf ausgetauscht, da ein ausgefranster Belag ein unregelmäßiges Reibebild hinterlässt.
Ergonomie und Griffgestaltung
Längeres Arbeiten mit der Glättkelle belastet Handgelenk und Unterarm, weshalb ergonomisch geformte Griffe mit rutschfester Ummantelung den Kraftaufwand deutlich senken. Beim Reibebrett spielt zusätzlich das Gewicht eine Rolle: große Bretter mit schwerem Belag ermüden bei über Kopf ausgeführten Arbeiten schneller als kompakte, leichtere Ausführungen.
Abgrenzung zu ähnlichen Werkzeugen
Glättkelle vs. Reibebrett
Die Glättkelle glättet und verdichtet eine Fläche zu einer möglichst geschlossenen Oberfläche. Das Reibebrett tut das Gegenteil: Es öffnet und strukturiert die Oberfläche, indem es die Körnung des Putzes sichtbar macht. Beide Werkzeuge werden oft nacheinander in unterschiedlichen Arbeitsschritten desselben Projekts verwendet.
Glättkelle vs. Japanspachtel
Der Japanspachtel hat eine dünnere, flexiblere Klinge als die Standard-Glättkelle und wird für feinste Spachtelarbeiten und Betonoptik-Politur bevorzugt, wo maximale Flexibilität beim Verdichten gefragt ist. Die klassische Glättkelle bleibt steifer und eignet sich besser für größere, weniger feine Flächen.
Reibebrett vs. Kelle allgemein
Eine Kelle im weiteren Sinn dient dem Materialtransport und -auftrag. Das Reibebrett ist speziell auf das flächige Verreiben und Strukturieren einer bereits aufgetragenen Schicht ausgelegt und wird nicht zum Antragen von frischem Material verwendet.
Schwammbrett vs. Filzbrett
Das Schwammbrett erzeugt eine gröbere, offenporigere Struktur und wird bei grobkörnigen Reibeputzen bevorzugt. Das Filzbrett liefert eine feinere, dichtere Oberfläche und eignet sich besser für feinkörnige Putze und Innenwandputze mit ruhigerer Optik.
Sicherheit, Lagerung und Entsorgung
Arbeitsschutz
Die scharfen Kanten von Edelstahlkellen bergen Schnittgefahr, besonders beim Reinigen – Vorsicht beim Abwischen der Klinge. Beim Anreiben von zementhältigen Putzen können feine Partikel aufgewirbelt werden, die Augen reizen; im Zweifel eine Schutzbrille tragen. Bei längeren Arbeiten über Kopf oder in gebeugter Haltung regelmäßig Pausen einlegen.
Lagerung
Glättkellen trocken lagern, um Rostbildung an der Stahlklinge zu vermeiden, und die Arbeitsfläche vor Verkratzen schützen, etwa durch getrennte Aufbewahrung von anderem Werkzeug. Reibebrett-Beläge trocken und ohne Druckbelastung lagern, damit sie ihre Form nicht dauerhaft verlieren.
Entsorgung
Verschlissene Reibebrett-Beläge sind je nach Material Restabfall oder Kunststoffabfall. Ausgediente Metallkellen gehören zum Metallschrott. Werkzeug-Reinigungswasser mit mineralischen Putzresten absetzen lassen und den Feststoff als Bauschutt entsorgen.







