Einblasdämmung füllt Hohlräume in Bauteilen mit losem Dämmstoff, ohne dass die Konstruktion geöffnet werden muss – das macht sie zur schnellsten und günstigsten Nachrüstdämmung im Bestand. Dieser Beitrag erklärt, welche Hohlräume sich eignen, welche Dämmstoffe eingeblasen werden, wie das Verfahren über Bohrlöcher abläuft, wo die bauphysikalischen Grenzen liegen und wie sich Einblasdämmung von Platten- und Kerndammung abgrenzt.
Was ist Einblasdämmung?
Bei der Einblasdämmung wird loser, flockiger oder granulierter Dämmstoff mit einer Einblasmaschine über einen Schlauch und kleine Bohröffnungen in einen bestehenden Hohlraum eingebracht. Der Dämmstoff verteilt sich unter Druck und füllt auch schwer zugängliche Ecken lückenlos aus. Nach dem Verfüllen werden die Bohrlöcher wieder verschlossen – an der Fassade unauffällig, im Innenbereich verspachtelt.
Geeignete Hohlräume
- Zweischaliges Mauerwerk mit Luftschicht: die klassische Kerndammung – der Zwischenraum zwischen Vormauerschale und tragender Wand wird verfüllt
- Oberste Geschossdecke und Dachschrägen: Hohlräume zwischen den Sparren oder auf der Decke
- Holzbalkendecken: die Gefache zwischen den Balken
- Vorsatzschalen und abgehängte Decken: nachträgliches Verfüllen ungenutzter Hohlräume
Dämmstoffe für das Einblasverfahren
Am häufigsten sind Zellulosefasern (aus recyceltem Zeitungspapier), Mineralwollegranulat und -flocken, sowie EPS- und Perlite-Granulat. Für die Kerndammung im Mauerwerk werden hydrophobierte, also wasserabweisend ausgerüstete Materialien verwendet, damit Schlagregen, der über die äußere Schale eindringt, nicht in die Dämmung zieht. Jeder Dämmstoff hat eine eigene, geprüfte Einbaudichte, die während des Einblasens über die verbrauchte Materialmenge pro Volumen kontrolliert wird – zu geringe Dichte führt später zum Absacken und zu Hohlstellen.
Ablauf
Voruntersuchung
Vor der Ausführung wird der Hohlraum mit einer Endoskopkamera durch ein Probeloch inspiziert: Breite und Zustand der Luftschicht, vorhandener Bauschutt (Mörtelbrocken auf den Maueranker sind häufig), Feuchtigkeit und Durchgängigkeit werden geprüft. Nur ein sauberer, durchgängiger und trockener Hohlraum von ausreichender Breite ist für die Kerndammung geeignet.
Bohren und Einblasen
In einem festgelegten Raster – bei der Kerndammung meist im Verband der Vormauerschale – werden Löcher von etwa 18 bis 30 Millimetern gebohrt. Der Einblasschlauch wird eingeführt und der Hohlraum von unten nach oben verfüllt, bis der Dämmstoff die Öffnung zurückdrückt. Die verbrauchte Menge wird protokolliert und mit dem rechnerischen Sollwert abgeglichen, um die Einbaudichte nachzuweisen.
Verschluss und Dokumentation
Die Bohrlöcher werden mit farblich angepasstem Mörtel verschlossen. Der Fachbetrieb erstellt ein Protokoll mit Materialmenge, Fläche, errechneter Einbaudichte und Fotos – dieses Protokoll ist Voraussetzung für Fördermittel und für spätere Gewährleistungsfragen.
Grenzen und Voraussetzungen
Die Kerndammung verbessert den U-Wert der Wand, macht aus einer dünnen Luftschicht aber keine Hochleistungsdämmung – die erreichbare Dämmdicke ist durch die vorhandene Hohlraumbreite (oft nur 4 bis 8 Zentimeter) begrenzt. Voraussetzung ist eine schlagregendichte, rissfreie Vormauerschale; bei durchfeuchtetem Mauerwerk oder aufsteigender Feuchte darf nicht gedämmt werden, weil die Dämmung die Austrocknung behindern würde. Auch die Lage der bestehenden Maueranker und deren Korrosionszustand werden bewertet.
Thermografie zur Erfolgskontrolle
Nach der Kerndammung zeigt eine Thermografieaufnahme der Fassade in der Heizperiode, ob der Hohlraum gleichmäßig verfüllt ist. Kalte Streifen oder Flecken weisen auf Hohlstellen hin, die nachverfüllt werden. Viele Fachbetriebe bieten diese Kontrolle als Teil der Leistung an.
Einblasdämmung im Dach von außen
Beim ausgebauten Dach ohne Zugang von innen wird die Zwischensparrendämmung von außen eingeblasen – einzelne Dachziegel werden abgenommen, der Sparrenraum verfüllt und die Ziegel wieder eingedeckt. Voraussetzung ist eine geschlossene innere Beplankung und eine diffusionsoffene Unterspannbahn, damit die Dämmung nach außen abtrocknen kann.
Wann sich die Maßnahme nicht lohnt
Bei einem sehr schmalen Hohlraum unter etwa 4 Zentimetern, bei durchfeuchtetem Mauerwerk, bei einer rissigen oder nicht schlagregendichten Außenschale und wenn ohnehin eine Fassadensanierung mit WDVS ansteht, ist die Kerndammung wenig sinnvoll oder sogar schädlich.
Als Einblasgut kommt überwiegend Mineralwolle in Form loser Flocken zum Einsatz, daneben Zellulose und Perlite.
Abgrenzung
Einblasdämmung vs. Plattendämmung im WDVS
Ein WDVS baut eine neue, frei wählbare Dämmdicke auf der Fassade auf und verändert das Erscheinungsbild. Einblasdämmung nutzt nur den vorhandenen Hohlraum, ist unsichtbar und in wenigen Tagen fertig, bleibt aber in der Dämmleistung begrenzt.
Einblasdämmung vs. Kerndammung
Kerndammung ist der häufigste Anwendungsfall der Einblasdämmung, aber nicht der einzige – das Einblasverfahren wird ebenso in Dach, Decke und Holzbalkenkonstruktionen genutzt.
Einblasdämmung vs. Aufsparren- oder Zwischensparrendämmung mit Matten
Mattendämmung verlangt das Öffnen der Konstruktion von innen oder außen. Die Einblasdämmung füllt geschlossene Gefache durch kleine Bohrungen, ist also die deutlich weniger invasive Lösung, wenn die Konstruktion sonst nicht angetastet werden soll.
Einblasdämmung vs. Ortschaum
Aufgeschäumter Polyurethan-Ortschaum füllt Hohlräume ebenfalls, ist aber diffusionsdicht, nicht rückbaubar und im Wohnungsbau umstritten. Lose Einblasdämmstoffe sind diffusionsoffener und lassen sich am Lebensende wieder absaugen.
Wann sich eine Dämmmaßnahme im Bestand rechnet, ordnet der Beitrag Warum Wärmedämmung sinnvoll ist ein.
Sicherheit, Lagerung und Entsorgung
Arbeitsschutz
Beim Einblasen entsteht viel Staub – die ausführenden Personen tragen Atemschutz, Schutzbrille und geschlossene Kleidung, angrenzende Räume werden abgeschottet. Zellulosedämmstoff enthält Borsalze als Brand- und Schimmelschutz, die die Haut reizen können. Fassadenarbeiten erfolgen vom Gerüst mit Absturzsicherung.
Lagerung
Dämmstoffsäcke trocken lagern – feucht gewordenes Material verklumpt und lässt sich nicht mehr gleichmäßig einblasen. Nur Material mit gültigem Anwendungsnachweis für das jeweilige Bauteil verwenden.
Entsorgung
Am Lebensende wird loser Dämmstoff abgesaugt und je nach Material recycelt oder thermisch verwertet. Zellulose mit Borsalzen und Mineralwollegranulat werden getrennt gesammelt.







