Dichtschlämme

Dichtschlämme ist eine mineralische, streich- oder spachtelbare Abdichtung für Keller, Sockel und Nassräume und deckt einen großen Teil der Bauwerksabdichtung im Sanierungsbereich ab. Dieser Beitrag erklärt, welche Varianten es gibt, wie sie auf Untergrund und Feuchtebelastung abgestimmt werden, wie der Aufbau in mehreren Lagen funktioniert und wie sie sich von Bitumen- und Sanierputzsystemen unterscheidet.

Was ist Dichtschlämme?

Dichtschlämme (mineralische Dichtungsschlämme, MDS) ist ein zementgebundener Mörtel mit Kunststoffanteil, der als dünne, aber wasserundurchlässige Schicht auf mineralische Untergründe aufgetragen wird. Anders als eine Bitumendickbeschichtung ist sie starr bis leicht rissunempfindlich (je nach Rezeptur) und bleibt mit dem Untergrund fest verbunden – dadurch ist sie auch mechanisch belastbar und direkt fliesbar.

Varianten

  • Starre Dichtschlämme: für ruhende, rissfreie Untergründe, hohe Druckwasserbeständigkeit
  • Flexible (rissunempfindliche) Dichtschlämme: mit höherem Kunststoffanteil, überbrückt feine Haarrisse und Bewegungen, Standard für Balkone, Terrassen und Verbundabdichtung im Bad
  • 2K-Systeme: Pulver plus Flexibilisierungs-Flüssigkeit, für höchste Ansprüche an Rissbrückung

Anwendungsbereiche

  • Kellerawände von außen gegen Bodenfeuchte und nicht drückendes Wasser
  • Sockelbereich als Anschluss an die Fassadendämmung
  • Verbundabdichtung unter Fliesen in Bad, Dusche und auf Balkonen
  • Als Untergrund für Sanierputz-Systeme, wenn zusätzlich eine Sperrwirkung gegen Feuchte gefordert ist

Bei drückendem Grundwasser reicht Dichtschlämme allein nicht – dort sind Bitumendickbeschichtungen mit höherer Schichtdicke oder Spezialsysteme nötig.

Verarbeitung

Untergrund

Der Untergrund muss tragfähig, sauber, ausreichend eben und vorgenässt (mattfeucht, nicht nass glänzend) sein. Kanten und Übergänge zwischen Wand und Boden werden mit einer Hohlkehle aus Mörtel ausgerundet, damit die Schlämme dort nicht reißt.

Kreuzweiser Auftrag in zwei Lagen

Dichtschlämme wird mit Bürste, Kelle oder Airless-Gerät in mindestens zwei Arbeitsgängen aufgetragen, die zweite Lage kreuzweise zur ersten. Erst die Summe beider Lagen ergibt die geforderte Mindesttrockenschichtdicke; eine einzelne dücke Lage reißt eher und deckt Fehlstellen schlechter ab. Zwischen den Lagen die vom Hersteller angegebene Standzeit einhalten (oft 3 bis 24 Stunden).

Nachbehandlung

Frisch aufgetragene Dichtschlämme vor Regen, direkter Sonne, Frost und zu schnellem Austrocknen schützen. Vor dem Verfüllen einer Baugrube oder dem Fliesen die vollständige Aushärtung abwarten.

Schichtdicke messen und prüfen

Die geforderte Trockenschichtdicke – je nach Beanspruchung meist 2 bis 4 mm – wird während des Auftrags mit einem Nassschichtdicken-Kamm kontrolliert und nach dem Trocknen stichprobenartig geprüft. Eine zu dünne Schicht ist die häufigste Ursache für spätere Undichtigkeiten.

Im Gesamtbild der Abdichtungen am Bauwerk ist die Dichtschlämme eine von mehreren Varianten — welche zulässig ist, gibt die Beanspruchungsklasse vor.

Abgrenzung

Dichtschlämme vs. Bitumendickbeschichtung

Bitumendickbeschichtung ist elastischer, deckt größere Risse ab und wird bei drückendem Wasser in größerer Schichtdicke eingesetzt, ist aber nicht direkt fliesbar und UV-empfindlich. Dichtschlämme ist mineralisch, direkt überarbeitbar und mechanisch robuster.

Dichtschlämme vs. Sanierputz

Sanierputz lässt Restfeuchte kontrolliert verdunsten und ist diffusionsoffen. Dichtschlämme sperrt Wasser komplett ab und ist diffusionsdicht – beide Systeme dürfen nicht wahllos kombiniert werden, weil sich ihre Wirkprinzipien widersprechen.

Dichtschlämme vs. Verbundabdichtung im Bad

Verbundabdichtung ist der Oberbegriff für das geprüfte System aus Dichtschlämme (oder Dichtband-Systemen) plus Dichtbändern an Ecken und Anschlüssen unter Fliesen. Die Schlämme allein ohne die Anschlussbänder ist keine vollständige Verbundabdichtung.

Anschlüsse und Durchdringungen

Rohrdurchführungen, Bodenabläufe und Wand-Boden-Übergänge sind die Schwachstellen jeder Abdichtung. Hier werden vorgeformte Dichtmanschetten und Dichtbänder in die erste Schlämmlage eingebettet und mit der zweiten Lage überdeckt, damit an diesen Stellen kein Wasser hinterläuft.

Sicherheit, Lagerung und Entsorgung

Arbeitsschutz

Zementgebundene Dichtschlämme ist stark alkalisch und kann bei längerem Hautkontakt Verletzungen verursachen; Schutzbrille, Chemikalienhandschuhe und Hautschutz verwenden. Beim Anmischen von Pulverware entsteht Staub – FFP2-Maske tragen und für Belüftung sorgen.

Lagerung

Pulverkomponenten trocken, kühl und auf Paletten lagern, Flüssigkomponenten frostfrei aufbewahren. Angemischtes Material innerhalb der Topfzeit verarbeiten.

Entsorgung

Ausgehärtete Reste sind mineralischer Bauschutt. Flüssige Reste nicht in die Kanalisation geben, sondern aushärten lassen oder als Bauchemie-Abfall entsorgen.

Graue Dichtschlämme wird kreuzweise auf eine Kellerwand aufgetragen

Häufig gestellte Fragen

Ja, das ist einer ihrer Vorteile gegenüber Bitumensystemen. Nach vollständiger Trocknung kann direkt mit geeignetem Fliesenkleber weitergearbeitet werden.

Mindestens zwei, kreuzweise aufgetragen. Nur so wird die geforderte Mindestschichtdicke sicher erreicht und Fehlstellen der ersten Lage werden abgedeckt.

Nur eingeschränkt. Bei echtem Druckwasser sind spezielle, dickere Systeme oder Bitumendickbeschichtungen die sicherere Wahl – das muss vorher geprüft werden.

Ja, Wand-Boden-Übergänge werden mit einer Hohlkehle ausgerundet und Anschlüsse mit Dichtband verstärkt, sonst entstehen dort bevorzugt Risse.

Nein, tragfähiger mineralischer Untergrund ist Pflicht. Alte Anstriche und lose Putzteile müssen vorher entfernt werden.

Zwischen den Lagen meist 3 bis 24 Stunden, bis zur vollen Belastbarkeit und zum Verfüllen einer Baugrube je nach Produkt mehrere Tage.

Auf ruhigen, rissfreien Untergründen reicht starre Schlämme. Bei Bewegungsfugen, Balkonen oder Terrassen ist die flexible Variante die sicherere Wahl.

Ja, streichbare Varianten lassen sich mit Bürste oder Rolle verarbeiten, kellenfähige Produkte werden aufgezogen. Kreuzweise in zwei Lagen bleibt Pflicht.

Erst nach vollständiger Aushärtung und je nach Produkt mehreren Tagen, damit die Schicht dem Erddruck standhält.

Mineralische Dichtschlämme verträgt UV-Strahlung deutlich besser als Bitumen, sichtbare Flächen werden aber trotzdem meist überputzt oder gefliest.

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