BFS

BFS-Merkblätter gehören zu den wichtigsten fachlichen Nachschlagewerken im deutschen Malerhandwerk – wer sich bei Streitigkeiten über Ausführungsqualität auf den Stand der Technik berufen will, kommt an ihnen kaum vorbei. Dieser Beitrag erklärt, was der BFS ist, wie seine Merkblätter aufgebaut sind und welche praktische Bedeutung sie haben.

Was ist der BFS?

BFS steht für Bundesausschuss Farbe und Sachwertschutz – ein Gremium aus Verbänden des Maler- und Lackiererhandwerks, das technische Merkblätter zu Untergrundprüfung, Beschichtungssystemen und Ausführungsqualität herausgibt. Die über 100 Merkblätter gelten in der Praxis und vor Gericht als anerkannte Regeln der Technik, auch wenn sie rechtlich keine Norm im Sinne der DIN sind.

Rechtliche Bedeutung ohne Normcharakter

Anders als DIN-Normen sind BFS-Merkblätter nicht gesetzlich bindend – in der gerichtlichen Praxis werden sie jedoch häufig als Sachverständigen-Referenz herangezogen, um zu beurteilen, ob eine Ausführung dem allgemein anerkannten Stand der Technik entspricht. Bei Streitigkeiten über Mangelhaftigkeit einer Beschichtung ist die Einhaltung der einschlägigen BFS-Merkblätter deshalb oft ausschlaggebend.

Wofür BFS-Merkblätter genutzt werden

Untergrundprüfung vor Arbeitsbeginn

Merkblatt Nr. 12 beschreibt beispielsweise die systematische Prüfung von Untergründen vor Beschichtungsarbeiten – eine strukturierte Vorgehensweise, die Streitigkeiten über spätere Mängel vorbeugt.

Beweissicherung bei Gewährleistungsfällen

Bei Streitigkeiten über die Ursache eines Schadensbilds dienen BFS-Merkblätter Sachverständigen als fachliche Referenz zur Einordnung, ob ein Fehler dem Verarbeiter oder dem Untergrund zuzurechnen ist.

Ausbildung und Weiterbildung

Angehende Maler und Lackierer lernen bereits in der Ausbildung die wichtigsten BFS-Merkblätter als Grundlage fachgerechter Arbeitsweise kennen.

Richtiger Umgang mit BFS-Merkblättern

  • Aktuelle Fassung verwenden: Merkblätter werden regelmäßig überarbeitet, veraltete Versionen können überholte Empfehlungen enthalten
  • Einschlägiges Merkblatt vor Arbeitsbeginn prüfen: Besonders bei kritischen Untergründen oder ungewöhnlichen Materialkombinationen
  • Abweichungen dokumentieren: Wird bewusst von einer Empfehlung abgewichen, sollte das schriftlich begründet werden
  • Bei Unsicherheit fachlichen Rat einholen: Der BFS bietet auch direkte Beratung für Mitgliedsbetriebe an

Abgrenzung zu verwandten Begriffen

BFS-Merkblatt vs. DIN-Norm

DIN-Normen sind formal anerkannte, oft europäisch harmonisierte technische Standards, während BFS-Merkblätter branchenspezifische Praxisempfehlungen ohne formalen Normcharakter sind, jedoch mit hoher praktischer Bedeutung.

BFS vs. VOB

Die VOB (siehe Aufmaß) regelt vertragsrechtliche Fragen bei Bauleistungen, während BFS-Merkblätter die konkrete, materialtechnische Ausführungsqualität beschreiben – beide ergänzen sich in der Praxis.

Sicherheit, Lagerung und Entsorgung

Arbeitsschutz

BFS-Merkblätter behandeln überwiegend Materialqualität und Ausführung, enthalten aber teils auch Hinweise zu produktbezogenen Sicherheitsaspekten – diese ersetzen nicht das Sicherheitsdatenblatt des jeweiligen Produkts.

Lagerung

Nicht zutreffend – Merkblätter sind Dokumente, keine Materialien.

Entsorgung

Nicht zutreffend.

Häufig gestellte Fragen

Nicht formal wie eine Norm, aber sie werden vor Gericht häufig als Referenz für den anerkannten Stand der Technik herangezogen.

Über 100, die regelmäßig überarbeitet und ergänzt werden.

DIN-Normen sind formal anerkannte Standards, BFS-Merkblätter branchenspezifische Praxisempfehlungen ohne formalen Normcharakter.

Nicht gesetzlich vorgeschrieben, aber praktisch sehr empfehlenswert, besonders bei kritischen Untergründen.

Über die offizielle BFS-Webseite oder Fachverbände des Maler- und Lackiererhandwerks.

Nein, sie behandeln Ausführungsqualität, nicht produktspezifische Sicherheitsdaten.

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