Absanden ist ein häufig unterschätztes Untergrundproblem, das die Haltbarkeit jeder neuen Beschichtung gefährdet, wenn es übersehen wird. Wer auf einem absandenden Untergrund einfach drauflos streicht, riskiert, dass die neue Farbe sich zusammen mit dem losen Material wieder ablöst. Dieser Beitrag erklärt die chemisch-physikalischen Ursachen, wie Absanden erkannt wird und wie eine dauerhafte Sanierung gelingt.
Was ist Absanden?
Absanden bezeichnet einen Untergrundzustand, bei dem sich feine, sandartige oder puderige Partikel von der Oberfläche lösen – meist bei Putz oder mineralischen Beschichtungen, die durch Alterung, Verwitterung oder mangelhafte Bindemittelmenge an Festigkeit verloren haben. Bei Kalkputzen liegt oft ein fortgeschrittener Karbonatisierungsprozess vor – das ursprünglich bindende Calciumhydroxid hat vollständig zu Calciumcarbonat reagiert und dabei einen Teil seiner Bindekraft im oberflächennahen Bereich eingebüsst.
Ursachen
Häufige Auslöser sind ein zu geringer Bindemittelanteil im ursprünglichen Putz (typisches Wasser-Bindemittel-Verhältnis unter Norm), jahrelange Witterungseinwirkung an Fassaden oder chemische Umwandlungsprozesse im Material. Auch nicht fachgerecht ausgehärtete Neuputze können absanden, wenn sie bei zu schneller Verdunstung (z. B. bei Wind und direkter Sonneneinstrahlung über 25 °C) austrocknen, bevor die Bindemittelreaktion abgeschlossen ist.
Wo Absanden typischerweise auftritt
Alte Kalk- und Zementputze
Nach Jahrzehnten der Witterungsbelastung verlieren viele mineralische Putze allmählich Bindemittel und beginnen abzusanden, besonders an exponierten Fassadenseiten mit hoher Schlagregenbelastung.
Zu schnell getrocknete Neuputze
Wird frischer Putz bei direkter Sonneneinstrahlung zu schnell ausgetrocknet, kann sich die Oberfläche nicht vollständig verfestigen und sandet ab – die notwendige Hydratation bzw. Karbonatisierung benötigt bei mineralischen Putzen mehrere Wochen bis Monate für die vollständige Durchhärtung.
Kreidende Fassadenfarben
Ähnlich wie Kreiden (siehe Kreiden) kann auch die Farbschicht selbst durch UV-Alterung und Photooxidation des Bindemittels pudrig werden, was optisch dem Absanden des Untergrunds ähnelt, aber eine andere Ursache hat.
Fachgerechte Sanierung
- Handtest durchführen: Mit der flachen Hand über die Fläche streichen – bleibt Staub oder Korn hängen, liegt Absanden vor
- Losen Staub entfernen: Grobe Rückstände vor der Grundierung abkehren oder absaugen
- Tiefgrund auftragen: Spezielle Grundierungen mit niedrigviskosem Bindemittel (Eindringtiefe teils 5–10 mm) stabilisieren den Untergrund von innen
- Bei starkem Befall wiederholen: Mehrfacher Grundierungsdurchgang kann bei stark absandenden Flächen notwendig sein, bis kein weiteres Material mehr aufgenommen wird
Abgrenzung zu ähnlichen Problemen
Absanden vs. Kreiden
Absanden betrifft den mineralischen Untergrund selbst, Kreiden (siehe Kreiden) die darüberliegende, organisch gebundene Farbschicht – beide erzeugen ähnliche, pudrige Oberflächen, erfordern aber unterschiedliche Sanierungsansätze.
Absanden vs. Sinterschicht
Eine Sinterschicht (siehe Sinterschicht) betrifft frischen Beton und wirkt glatt statt pudrig, obwohl sie ähnlich wie Absanden mangelnde Festigkeit an der Oberfläche aufweist.
Sicherheit, Lagerung und Entsorgung
Arbeitsschutz
Beim Abkehren oder Absaugen absandender Flächen entsteht mineralischer Feinstaub mit teils quarzhaltigen Anteilen – Staubmaske FFP2 tragen, besonders bei grösseren Flächen oder Innenraumarbeiten (siehe Absaugvorrichtung).
Lagerung
Tiefgrund-Grundierungen frostfrei und dicht verschlossen lagern, Haltbarkeitsdatum beachten.
Entsorgung
Abgekehrter Staub kann über den normalen Hausmüll entsorgt werden, Grundierungsreste je nach Produkt über die Schadstoffsammelstelle.







