Fassadenplatten sind großf- oder mittelformatige Bekleidungsplatten aus Faserzement, Hochdrucklaminat (HPL), Keramik, Naturstein oder Metall, die als wetterfeste Außenschale vor der Dämmung montiert werden. Sie bilden meist eine hinterlüftete Fassade, schützen das Mauerwerk vor Regen und lassen sich ohne Putzarbeiten in kurzer Zeit verarbeiten.
Was sind Fassadenplatten?
Unter dem Begriff werden sehr unterschiedliche Bauprodukte zusammengefasst. Gemeinsam ist ihnen der Zweck: Sie schließen die Außenwand nach außen ab, tragen keine Lasten und werden über eine Unterkonstruktion am Gebäude befestigt. Der Regen läuft an der Plattenoberfläche ab, durch die Luftschicht dahinter trocknet die Wand nach. Das Prinzip ist als hinterlüftete Fassade bekannt und gilt als besonders feuchtesicher.
Im Gegensatz zu Putzsystemen werden Fassadenplatten trocken montiert. Es entstehen keine Trocknungszeiten, keine Putzrisse und keine Abhängigkeit von Temperatur und Wetter beim Einbau. Dafür ist die Planung der Unterkonstruktion und der Fugen wichtiger.
Plattenarten und ihre Eigenschaften
Faserzementplatten
Faserzement besteht aus Zement, Zellulose- oder Kunstfasern und mineralischen Zuschlägen. Die Platten sind schwer entflammbar, formstabil und witterungsfest. Sie sind in Farben und Strukturen von glatt bis grob erhältlich und lassen sich nachstreichen. Wichtig: Faserzementplatten, die vor 1993 verbaut wurden, können Asbestfasern enthalten. Vor jedem Eingriff muss das geprüft werden, siehe Asbest.
HPL-Platten
Hochdrucklaminat (HPL) besteht aus mit Harz getränkten Papierlagen, die unter hohem Druck verpresst werden. Die Oberfläche ist sehr dicht, farbstabil und leicht zu reinigen. HPL-Platten sind schlagfest und wegen des geringen Gewichts leicht zu montieren. Sie sind mit Holz- oder Steinoptik erhältlich und lassen sich in großen Formaten liefern.
Keramik und Naturstein
Keramische Fassadenplatten sind gebrannt, extrem hart und farbecht. Naturstein bringt Charakter, ist aber schwer, teuer und braucht oft eine aufwändigere Unterkonstruktion. Beide Materialien sind frostbeständig und nahezu wartungsfrei, haben jedoch hohe Anforderungen an Befestigung und Statik.
Metallplatten und Verbundplatten
Aluminium-, Zink- oder Kupferplatten sowie Aluminiumverbundplatten sind dünn, leicht und lassen sich formen. Sie eignen sich für moderne Architektur, erfordern aber sorgfältigen Umgang mit Wärmedehnung und Korrosionsschutz an den Befestigungspunkten.
Aufbau und Unterkonstruktion
Der Aufbau folgt von innen nach außen: tragende Wand, Wärmedämmung, Winddichtung, Hinterlüftung, Unterkonstruktion, Fassadenplatte. Als Dämmung kommt häufig Mineralwolle zum Einsatz, weil sie nicht brennbar und diffusionsoffen ist. Die Unterkonstruktion besteht aus Holzlatten oder Aluminiumprofilen, die mit Wärmebrückenunterbrechern an der Wand befestigt sind; mehr zum Thema steht unter Wärmebrücken.
Die Hinterlüftungsebene soll im Regelfall mindestens 2 bis 4 cm tief sein und unten und oben offen bleiben, damit Luft zirkulieren und Feuchte abtransportiert werden kann. Insektengitter an den Öffnungen verhindern, dass Nester entstehen.
Befestigung
Die Platten können sichtbar oder verdeckt befestigt werden. Sichtbare Befestigungen mit Schrauben oder Nieten sind wirtschaftlich und lassen sich in der Farbe der Platte lackieren. Verdeckte Systeme arbeiten mit Hinterschnittankern, Klammern oder Klebungen und ergeben ein ruhiges Fassadenbild ohne Befestigungspunkte.
Bei jeder Befestigung ist die Bewegung der Platten zu berücksichtigen. Fix- und Gleitpunkte erlauben Wärmedehnung, ohne dass die Platten verspannt werden. Die Fugen zwischen den Platten sind offen oder mit Profilen ausgebildet; sie sind kein Mangel, sondern funktionaler Teil der Hinterlüftung.
Kosten und Wirtschaftlichkeit
Die Gesamtkosten einer Plattenfassade setzen sich aus drei Blöcken zusammen: Plattenmaterial, Unterkonstruktion mit Dämmung und Montage. Das Material macht oft nur ein Drittel aus. Eine günstige Faserzementplatte auf einer aufwendigen Aluminium-Unterkonstruktion kann am Ende teurer sein als eine hochwertige Platte auf einfacher Holzlattung. Deshalb lohnt es, Systeme als Ganzes zu vergleichen und nicht nur Quadratmeterpreise der Platten.
Wirtschaftlich spielt außerdem die Lebensdauer eine Rolle. Ein Putz mit Anstrich muss meist nach 15 bis 25 Jahren erneuert werden, während Keramik- oder Faserzementfassaden deutlich länger stehen. Wer die Betriebskosten über 30 Jahre rechnet, kommt bei hochwertigen Platten häufig auf vergleichbare oder niedrigere Gesamtkosten. Zusätzlich fällt bei der Montage weniger Gewärmeverlust durch Feuchtigkeit in der Dämmung an, weil die Hinterlüftung nachträgliche Nutzfeuchte abführt.
Fördermittel werden in der Regel für die Dämmung gewährt, nicht für die Bekleidung. Die Antragsvoraussetzungen sollten vor Auftragsvergabe geprüft werden.
Brandschutz und Normen
Die Anforderungen richten sich nach der Gebäudeklasse. Bei Gebäuden mit mehr als 7 m Fußbodenhöhe des obersten Aufenthaltsraums sind in den meisten Landesbauordnungen schwerentflammbare Bekleidungen gefordert, bei Hochhäusern nichtbrennbare. Faserzement und Keramik erreichen die Baustoffklasse A2 oder besser, HPL erreicht häufig B-s1,d0. Details stehen im Eintrag Brandschutz; verbindlich sind die Landesbauordnung und das Prüfzeugnis des Produkts.
Fassadenplatten bei der Sanierung
Bei der energetischen Sanierung ersetzt die Plattenfassade häufig ein beschädigtes Wärmedämm-Verbundsystem oder kaschiert eine undichte Putzfläche. Der Vorteil: Der alte Putz muss nicht vollständig entfernt werden, solange er tragfähig ist. Lose Bereiche werden abgeschlagen, Risse verschlossen und Unebenheiten durch Ausgleichslatten oder Konsolen aufgefangen.
Vor der Montage sollte der Untergrund auf Feuchte, Salzbelastung und Schimmelbefall geprüft werden. Feuchte Wände trocknen nach der Montage durch die Hinterlüftung nach, doch Ursachen wie defekte Regenrinnen oder aufsteigende Feuchtigkeit müssen vorher beseitigt sein. Auch Sockel, Fenster und Dachanschlüsse brauchen neue Details, denn die Fassade wird durch Unterkonstruktion und Platte oft 10 bis 20 cm dicker.
Fenster werden dadurch tiefer in der Laibung sitzen. Bei der Planung sind Fensterbänke, Rollläden und Leibungsdämmungen entsprechend zu verlängern; ein Hinweis zu Anschlüssen steht beim Bauanschluss.
Anstrich und Pflege
Faserzementplatten lassen sich streichen. Als Beschichtung eignen sich diffusionsoffene Fassadenfarben, etwa Silikatfarbe oder Siliconharzfarbe; geeignete Produkte sind unter Fassaden und Fassadenfarben beschrieben. Vor dem Streichen sind Algen und Moos zu entfernen und die Platte mit passender Grundierung zu behandeln. Beschichtete HPL-Platten und Keramik werden nicht gestrichen.
Zur Pflege reicht meist klares Wasser mit weichem Bürstenwerkzeug. Hochdruckreiniger sollten auf niedrige Stufe gestellt werden, damit Fugen und Befestigungen nicht beschädigt werden.
Typische Fehler
Häufige Mängel sind fehlende Hinterlüftung an Attika und Sockel, zu eng gesetzte Befestigungen ohne Dehnmöglichkeit, ungenügende Abdichtung an Fensteranschlüssen und Aufquellen von Holzwerkstoff-Unterkonstruktionen. Auch Platten, die zu kurz auf der Unterkonstruktion aufliegen, brechen schnell aus.







